Gender

Im Englischen wird – anders als im Deutschen – der Begriff „Geschlecht“ anhand von unterschiedlichen Wörtern deutlich nach zwei Aspekten unterteilt. Während der englische Begriff „sex“ die biologische Komponente von Geschlecht beschreibt und damit die angeborenen, allein medizinisch veränderbaren unterschiedlichen Geschlechtsmerkmale, bezieht sich das Wort „gender“ auf sozial-kulturell konstruierte Geschlechterunterschiede. Die in der Gesellschaft jeweils als „typisch“ männlich oder weiblich wahrgenommenen bzw. zugeschriebenen Pflichten, Eigenschaften und Verhaltensweisen sind anerzogen und erlernt und damit veränderbar. Aufgrund dieser gesellschaftlich verankerten geschlechtsspezifischen Muster und Strukturen besteht eine kulturell bestimmte „Geschlechterungleichheit“, die Männern und Frauen unterschiedlichen Zugang zu Macht, Ressourcen und Partizipationsmöglichkeiten sowohl im beruflichen, als auch im privaten Leben bietet. Gender ist „Ausdruck und Effekt einer gesellschaftlichen Ordnung, die (nicht nur Frauen) ausgrenzt und die es deshalb zu überwinden gilt“.

  Gender - Identität und Gender - Rolle

Geschlechtsspezifisches Handeln ist abhängig von Eigen- und Fremdzuschreibungen als „weiblich“ oder „männlich“. Die Gender-Identität beschreibt die eigene Identifikation als weiblich oder männlich und die Adaption entsprechender gesellschaftlicher Muster. Der Begriff Gender-Rolle bezieht sich auf sie sozialen Rollen, Aufgaben und Pflichten, die Frauen und Männern geschlechtsspezifisch im privaten wie im öffentlichen Leben zugeschrieben werden.

  Mainstreaming

Mainstream bedeutet soviel wie „Hauptstrom“. Mainstreaming bezeichnet im Zusammenhang von Gender Mainstreaming ein Organisationsprinzip, welches die geschlechtsspezifische Gleichstellungsprämisse auf allen Ebenen und in allen Maßnahmen und Entscheidungen berücksichtigt.

  Gender Mainstreaming

Gender Mainstreaming bezeichnet ein gleichstellungspolitisches Konzept. Grundlegend ist dabei die Auffassung, dass in der Gesellschaft Strukturen, sowie Rollenbilder verankert sind, die Männern und Frauen ungleiche Zugangschancen zu Ressourcen, politischer Partizipation, Ämtern, sowie zu Positionen im beruflichen und privaten Bereich gewährt. Diese soziale Ungleichheit, die beide Geschlechter erfahren, basiert dabei nicht (primär) auf biologischen Differenzen, sondern auf der gesellschaftlichen Konstruktion von sozial erwünschten „typisch“ weiblichen und männlichen Mustern. Entsprechend ist das Ziel von Gender Mainstreaming strukturelle Veränderungen herbeizuführen, die diese konstruierten Geschlechterungleichheiten aufbrechen und eine Gleichstellung der Geschlechter im privaten wie auch beruflichen Lebensumfeld ermöglicht. Ansatzpunkt sind dabei die Lebenslagen sowohl von Frauen, als auch von Männern. Auch wenn Gender Mainstreaming seinen Ursprung in verschiedenen Strategien zur Frauenförderung hat, so ist das Konzept nicht allein auf Veränderungen struktureller Benachteiligungen von Frauen beschränkt, sondern versucht explizit gesellschaftliche Hemmnisse für beide Geschlechter abzubauen.

Dabei reicht es jedoch nicht entsprechende Regelungen und Gesetze einzuführen. „Gender Mainstreaming ist kein Selbstläufer. Rechtliche Vorgaben bedeuten nicht, dass diese Strategie auch automatisch regelmäßig und nutzbringend angewendet wird.“ Um Geschlechtergerechtigkeit weitreichend zu fördern, vereint das Konzept Gender Mainstreaming verschiedene Aspekte: „Gender Mainstreaming besteht in der (Re-)Organisation, Verbesserung, Entwicklung und Evaluierung der Entscheidungsprozesse, mit dem Ziel, dass die an politischer Gestaltung beteiligten Akteure und Akteurinnen den Blickwinkel der Gleichstellung zwischen Frauen und Männern in allen Bereichen und auf allen Ebenen einnehmen.“

Durch die Sensibilisierung für die Thematik der Geschlechtergerechtigkeit, durch das Sichtbarmachen struktureller geschlechterbezogener Benachteiligungen sowohl in der beruflichen als auch in der privaten Sphäre, sowie durch die Entwicklung neuer Orientierungen, Leitbilder, und Routinen soll die Idee der Geschlechtergleichheit als ein Leitkonzept für Handlungen und Urteile in Organisationen und Institutionen umgesetzt werden. Ziel ist dabei, dass Gender Mainstreaming als Querschnittsaufgabe verstanden wird, also durchgängig und in möglichst vielen Bereichen seine Umsetzung findet.

  Gleichstellung

Auf der Internetseite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird Gleichstellung definiert als „das Ziel, das gemäss Art. 3 Abs. 2 S. 2 GG tatsächlich - und nun mit Hilfe von Gender Mainstreaming verwirklicht werden soll.“ Frauen wie Männer sollen die Möglichkeit erhalten ihre Lebensgestaltung selbst zu bestimmen und nicht aufgrund äusserer Umstände zu einer stereotypischen Lebensführung genötigt sein. „Das Bundesverfassungsgericht sagt hier: An das Geschlecht dürfen grundsätzlich keine Vor- oder Nachteile geknüpft werden. Rollenverteilungen, die zu einer höheren Belastung oder sonstigen Nachteilen für ein Geschlecht führen, dürfen durch staatliche Maßnahmen nicht verfestigt werden. Faktische Nachteile, die typischerweise ein Geschlecht treffen, dürfen durch begünstigende Regelungen ausgeglichen werden.“ Der Abbau von geschlechtsspezifischer Diskriminierung in allen Lebenslagen ist grundlegend für eine Gleichstellung.